Die sieben Basisemotionen im Gesicht und ihre Merkmale (FACS)
Das Facial Action Coding System (FACS) beschreibt Gesichter als kleine Muskelbewegungen, sogenannte Aktionseinheiten (Action Units). Sieben häufig untersuchte Emotionen sind mit typischen Kombinationen verknüpft: gehobene Mundwinkel und Wangen bei Freude, hochgezogene Brauen und ein herabfallender Unterkiefer bei Überraschung, weit geöffnete Augen bei Angst, gehobene innere Brauenenden bei Trauer, gesenkte Brauen und angespannte Lider bei Ärger, eine gerümpfte Nase bei Ekel, ein einseitig angespannter Mundwinkel bei Verachtung.
§ 1Was FACS ist
Das Facial Action Coding System wurde 1978 von Paul Ekman und Wallace Friesen veröffentlicht und 2002 überarbeitet. Es beschreibt keine Emotionen, sondern Bewegungen: Jede sichtbare Veränderung, die die Gesichtsmuskeln erzeugen, bekommt eine Nummer, die Aktionseinheit (Action Unit, AU). AU1 hebt die inneren Enden der Augenbrauen, AU4 senkt die Brauen und zieht sie zusammen, AU12 zieht die Mundwinkel nach oben. Kodierende halten fest, welche Einheiten sich bewegt haben und wie stark, auf einer Skala von A (Spur) bis E (Maximum).
Anschließend fragten Forschende, welche Kombinationen von Einheiten Menschen mit bestimmten Emotionen verbinden. Die Antwort ist ein Referenzmodell, kein Gesetz: Es beschreibt typische gestellte Ausdrücke, die Beobachtende übereinstimmend benennen, überwiegend in westlichen Stichproben.
§ 2Die sieben Ausdrücke im Überblick
| Emotion | Typische Aktionseinheiten | Was du siehst |
|---|---|---|
| Freude | AU6 + AU12 | Mundwinkel nach oben und hinten gezogen; bei stärkerem Lächeln heben sich die Wangen, und an den äußeren Augenwinkeln entstehen Fältchen. |
| Überraschung | AU1 + AU2 + AU5 + AU26 | Ganze Brauen hoch und rund gewölbt, Augen etwas weiter geöffnet, Unterkiefer locker herabgefallen. |
| Angst | AU1 + AU2 + AU4 + AU5 + AU20 | Brauen gehoben, aber gerader und zusammengezogen, Weiß über der Iris sichtbar, Lippen seitlich gespannt. |
| Trauer | AU1 + AU4 + AU15 | Innere Brauenenden gehoben und zusammengezogen, Mundwinkel nach unten, Kinn manchmal hochgeschoben (AU17). |
| Ärger | AU4 + AU5 + AU7 + AU23/24 | Brauen gesenkt und zusammengezogen, starrer Blick, angespannte Unterlider, Lippen aufeinandergepresst oder schmal. |
| Ekel | AU9 und/oder AU10 | Nase gerümpft, Oberlippe gehoben; als Nebeneffekt senken sich die Brauen ein wenig. |
| Verachtung | AU14 einseitig | Ein Mundwinkel angespannt und leicht gehoben; die Augen bleiben neutral. |
§ 3Wohin schauen: Augen oder Mund?
Verschiedene Emotionen zeigen sich in verschiedenen Teilen des Gesichts. Als Wegrzyn und Kollegen (2017) Gesichter Stück für Stück aufdeckten, hingen Angst, Ärger und Trauer am stärksten von Augen und Brauen ab, Freude und Ekel von Mund und Nase und Überraschung von beidem. Das nützlichste Einzelmerkmal für Angst war das gehobene Oberlid (AU5), für Ärger das angespannte Unterlid (AU7).
Das ist wichtig, weil viele Menschen vor allem auf den Mund schauen. Wer zuerst Brauen und Oberlider prüft, erwischt auch die Ausdrücke, die der Mund nicht zeigt.
§ 4Subtile und partielle Ausdrücke
Echte Ausdrücke sind oft schwach oder betreffen nur eine Gesichtsregion. Matsumoto und Hwang (2014) zeigten 273 Beobachtenden 110 subtile Ausdrücke mit neun Antwortmöglichkeiten. Die durchschnittliche Trefferquote lag bei 59 %, weit über den 11 %, die beim Raten zu erwarten wären, und auch partielle Versionen, etwa nur die Mundwinkel bei Freude oder nur die gehobenen inneren Brauen bei Trauer, wurden noch überzufällig erkannt. Am schwersten war Verachtung, mit etwa 32 %.
§ 5Eine Anmerkung zum „echten“ Lächeln
Eine verbreitete Regel besagt, dass ein Lächeln mit gehobenen Wangen und Krähenfüßen an den Augenwinkeln (AU6, das „Duchenne-Lächeln“) immer echt ist. Die Forschung stützt diese Regel nicht. Girard und Kollegen (2021) fanden, dass das Heben der Wangen vor allem anzeigt, wie stark ein Lächeln ist; es trat bei den meisten Lächeln auf, ganz gleich, ob die Personen angaben, sich gut zu fühlen. Man kann es außerdem absichtlich erzeugen. Das Heben der Wangen sagt etwas über die Intensität, nicht über die Aufrichtigkeit.
§ 6Grenzen des Modells
Gesichter und Gefühle hängen nur lose zusammen. Eine große Übersichtsarbeit von Barrett und Kollegen (2019) kam zu dem Schluss, dass dieselben Gesichtsbewegungen je nach Situation, Person und Kultur Unterschiedliches bedeuten können. Menschen in verschiedenen Kulturen erkennen diese Ausdrücke überzufällig, aber innerhalb der eigenen Kultur genauer (Elfenbein und Ambady, 2002). Betrachte die sieben Ausdrücke als gemeinsames Vokabular, um Gesichter zu beschreiben, nicht als Methode zum Gedankenlesen.
Fragen und Antworten
Welche sind die sieben Basisemotionen?
In der Mimikforschung werden am häufigsten diese sieben untersucht: Freude, Überraschung, Angst, Trauer, Ärger, Ekel und Verachtung. Die Liste ist eine Konvention der Forschung; wie „grundlegend“ diese Emotionen wirklich sind, ist in der Wissenschaft noch umstritten.
Was ist eine Aktionseinheit?
Eine einzelne sichtbare Gesichtsbewegung im FACS, nummeriert nach der Muskelaktion, die sie erzeugt. Zum Beispiel zieht AU12 die Mundwinkel nach oben, und AU4 senkt die Brauen.
Welcher Ausdruck ist am schwersten zu erkennen?
Verachtung. Sie ist einseitig und subtil, und in der Forschung wird sie von den sieben am wenigsten einheitlich erkannt.
Sind Gesichtsausdrücke universell?
Teilweise. Menschen in vielen Kulturen erkennen sie überzufällig, aber innerhalb der eigenen Kultur ist die Trefferquote höher, und der Kontext kann verändern, wie ein Gesicht gelesen wird.