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Angst oder Überraschung, Ärger oder Ekel: ähnliche Gesichtsausdrücke unterscheiden

Aktualisiert am 16. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Angst und Überraschung heben beide die Brauen und öffnen die Augen weit. Bei Angst sind die Brauen gerader und zusammengezogen, die Oberlider heben sich stärker und die Lippen werden seitlich gespannt; bei Überraschung sind die Brauen rund gewölbt und der Unterkiefer fällt locker herab. Ärger und Ekel senken beide die Brauen: Ekel rümpft die Nase und hebt die Oberlippe, Ärger spannt die Lider an und presst die Lippen aufeinander.

§ 1Warum manche Ausdrücke verwechselt werden

Ausdrücke, die Bewegungen gemeinsam haben, verwechselt man leicht, besonders wenn man sie nur kurz sieht. Jack, Garrod und Schyns (2014) fanden, dass dynamische Ausdrücke zuerst grobe und erst danach spezifische Signale senden. Zu Beginn eines Ausdrucks werden Angst und Überraschung verwechselt, weil beide die Augen weit öffnen, und Ekel und Ärger, weil beide die Brauen nach unten ziehen. Die unterscheidenden Merkmale kommen einen Moment später, und sie sind klein.

§ 2Angst oder Überraschung

MerkmalAngstÜberraschung
BrauenGehoben, aber gerader und zusammengezogen (AU1 + AU2 + AU4)Hoch in einem gleichmäßigen Bogen gehoben (AU1 + AU2), nicht zusammengezogen
OberliderStark gehoben; über der Iris ist Weiß zu sehen (AU5)Nur leicht gehoben (schwaches AU5)
MundLippen seitlich gespannt (AU20)Unterkiefer locker herabgefallen, Mund ein entspanntes Oval (AU26)

Fang bei den Augen an: Wegrzyn und Kollegen (2017) fanden, dass das gehobene Oberlid das wichtigste Merkmal für Angst war. Angst kann sich allein in den Augen zeigen; wer nur auf den Mund schaut, übersieht sie oft. Der andere entscheidende Unterschied sind die zusammengezogenen Brauen (AU4), denn die fehlen bei Überraschung.

§ 4Weitere häufige Verwechslungen

  • Trauer oder Angst. Beide können die inneren Brauenenden heben. Trauer zieht die Mundwinkel nach unten und schiebt manchmal das Kinn hoch; Angst öffnet die Augen weit und spannt die Lippen.
  • Verachtung oder ein leichtes Lächeln. Ein Lächeln nutzt beide Mundwinkel. Verachtung spannt und hebt nur einen Mundwinkel, und die Augen bleiben neutral.
  • Verachtung oder Ekel. Ekel betrifft Nase und Oberlippe in der Mitte des Gesichts; Verachtung betrifft einen Mundwinkel.
  • Ärger oder die schmalen Augen beim Lächeln. Beim Lächeln heben sich die Wangen, und an den Augenwinkeln entstehen Fältchen; bei Ärger spannen sich die Lider an, ohne dass sich die Wangen heben.
  • Schwacher Ärger oder ein neutrales Gesicht. Leicht gesenkte Brauen übersieht man schnell, und in ein entspanntes Gesicht liest man schnell zu viel hinein. Vergleiche im Zweifel mit dem neutralen Gesicht derselben Person.

§ 5So übst du, sie auseinanderzuhalten

  1. Schau zuerst auf Augen und Brauen, dann auf den Mund.
  2. Benenne die Bewegung vor der Emotion: „Brauen zusammengezogen, Lippen gespannt“.
  3. Vergleiche die beiden Ausdrücke eines Paares nebeneinander, wenn möglich am selben Gesicht.
  4. Prüfe nach jedem Versuch die Antwort und schau dir das Merkmal, das du übersehen hast, noch einmal an.
  5. Sobald dir jedes Paar leichtfällt, mische alle Ausdrücke zufällig.

Beschreibung, Übung und Rückmeldung zusammen bilden den Kern von Trainingsstudien; Hurley (2012) fand, dass diese Kombination am besten funktionierte, um das Erkennen kurzer Ausdrücke zu lernen.

Fragen und Antworten

Warum verwechsle ich Angst und Überraschung?

Weil beide die Brauen heben und die Augen weit öffnen und zu Beginn des Ausdrucks fast gleich aussehen. Achte darauf, ob die Brauen zusammengezogen sind und ob die Lippen seitlich gespannt werden: Beides spricht für Angst.

Ist Ekel dasselbe wie Verachtung?

Nein. Ekel rümpft die Nase und hebt die Oberlippe in der Mitte des Gesichts; Verachtung spannt einen Mundwinkel an.

Auf welchen Teil des Gesichts sollte ich schauen?

Auf Augen und Brauen bei Angst, Ärger und Trauer; auf Mund und Nase bei Freude und Ekel. Bei Überraschung brauchst du beides.

Spielt der Kontext eine Rolle?

Ja. Dasselbe Gesicht kann je nach Situation als Angst oder als Aufregung gelesen werden. Bezieh also den Kontext ein und betrachte deine Deutung als Vermutung.

Quellen

Studien werden mit DOI-Link zitiert. Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen.

  1. Jack RE, Garrod OGB, Schyns PG (2014). Dynamic facial expressions of emotion transmit an evolving hierarchy of signals over time. Current Biology 24(2):187–192. doi:10.1016/j.cub.2013.11.064
  2. Wegrzyn M, Vogt M, Kireclioglu B, Schneider J, Kissler J (2017). Mapping the emotional face: How individual face parts contribute to successful emotion recognition. PLOS ONE 12(5):e0177239. doi:10.1371/journal.pone.0177239
  3. Matsumoto D, Hwang HC (2014). Judgments of subtle facial expressions of emotion. Emotion 14(2):349–357. doi:10.1037/a0035237
  4. Ekman P, Friesen WV (1978). Facial Action Coding System: A technique for the measurement of facial movement. Palo Alto: Consulting Psychologists Press. Revised edition: Ekman P, Friesen WV, Hager JC (2002).
  5. Hurley CM (2012). Do you see what I see? Learning to detect micro expressions of emotion. Motivation and Emotion 36:371–381. doi:10.1007/s11031-011-9257-2